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Lesestapel 3 – 4. Zwischenbericht

6. Januar 2012

Was ist Sprache?

Ludwig Wittgenstein, ein Flugzeugingenieur zu Beginn des Ersten Weltkriegs, kam beim Betrachten eines durch Figuren nachgestellten Unfalls auf die Frage, lässt sich dann nicht auf die gleiche Weise die Realität mit den Figuren des Denkens, den Wörtern, abbilden? Radikaler als jeder andere vor ihm stellte er die Logik der Sprache in den Mittelpunkt des Denkens.

Selbst Kant hatte sich kaum mit den Nöten und Notwendigkeiten der Sprache befasst.

Durch eine Theorie des amerikanischen Linguisten Noam Chomsky aus den 1960er Jahren gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der Mensch mit einem angeborenen Sinn für Sprache und Grammatik zur Welt kommt. Kleinkinder lernen ihre erste Sprache dadurch nahezu automatisch. Sie wächst in ihnen auf ähnliche Weise wie die körperlichen Gliedmaßen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass Kleinkinder die Sprache, die sie hören, nachahmen können.

Die erste Sprache wird also zunächst unbewusst gelernt, und sie wird dabei sozial „nachgeäfft“. Ihre wichtigste Funktion besteht darin, zu verstehen und verstanden zu werden. Die Bedeutung eines Satzes wird durch den Gebrauch der Wörter geformt. Die Hauptquelle unseres Unverständnisses ist, dass wir den Gebrauch unserer Wörter nicht übersehen.

Die entscheidende Frage beim Verständnis von Sätzen ist nicht, ob etwas wahr ist oder falsch, sondern ob die Verständigung im beabsichtigten Sinne gelingt oder nicht gelingt.

Erst wenn man reflektiert, dass die Ordnungsmittel des Geistes, das Denken und die Sprache, nicht die Wirklichkeit an sich aufräumen, sondern Modelle sind, um die Welt nach Maßgabe der eigenen Spielregeln zu erklären, kommt man den Menschen näher:

„Wer unterschiedliche Dinge wahrnimmt, der lebt auch anders.
Und wer anders lebt, der denkt auch anders.
Und wer anders denkt, der benutzt auch eine andere Sprache.“

Die Grenzen des sinnlichen Wahrnehmungsapparates und die Grenzen der Sprache sind die Grenzen unserer Welt.

Hinweis:  Die Zwischenberichte bestehen fast ausnahmslos aus Originalsätzen aus dem Buch: Lesen, unterstreichen,  weiterlesen, zurückblättern, aussuchen, schreiben, bloggen.

Fortsetzung folgt

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From → Buch

2 Kommentare
  1. Wenn ich anders zu sprechen beginne, dann nehme ich anders wahr und denke auch anders? Oder habe ich da etwas verdreht? … Fragen, nichts als Fragen! YDu 😉

  2. Ich habe das so verstanden, dass wenn zwei Babys auf der Entbindungsstation vertauscht werden und wachsen in ganz unterschiedlichen Familien (Lebensauffassung, Kultur, Bildung, Einkommen etc.) auf, und sagen wir mal nach 25 Jahren kommt das heraus, dann werden sich die Blutsverwandten äußerst fremd sein. Noch fremder als zwei Menschen mit verschiedener Muttersprache und Kultur.
    Gruß C.H.

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