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Lesestapel 3 – 6. Zwischenbericht

15. Januar 2012

Dürfen wir Tiere essen?

Viele Philosophen in der Antike, im Mittelalter und auch in der Neuzeit hatten gesagt: Dies ist der Grund, warum man Tiere essen darf: Menschen sind vernünftig, Tiere sind unvernünftig. Menschen sind wertvoll und Tiere sind wertlos.

Eine überlegene Intelligenz ist kein moralischer Freibrief, tun und lassen zu können, was man will. Kein Gericht erlaubt Folter, Mord und Totschlag mit dem Hinweis darauf, der Täter habe ja nicht genau wissen können, wie sich das Opfer fühlt. Wir unterstellen anderen Menschen einen komplexen Bewusstseinszustand – und das reicht um sie zu achten. Bei Tieren dagegen neigen viele Wissenschaftler dazu, ihre Psyche rein biologisch zu erklären.
Die moderne Hirnforschung untersucht Reaktionsweisen in unserem Wirbeltiergehirn, und sie vermutet, dass gleichartige Strukturen im Gehirn anderer Wirbeltiere, mit vergleichbaren Erlebnisqualitäten vorhanden sein könnten. Manche Wirbeltiere verfügen über so etwas wie ein elementares Selbstbewusstsein. Doch wie hoch soll man das moralisch einschätzen? Die größte Crux am Selbstbewusstsein als alleinigem Maßstab für den Lebenswert eines Lebewesens sind seine kontra-intuitiven Konsequenzen.

Die Frage danach, was man mit den Tieren tun darf, ist auch eine Frage nach Instinkten. So ist es ein ganz natürlicher Instinkt des Menschen, dass er das Leben von Menschen anders bewertet als das von Tieren.

Ist es vertretbar, dass man Tiere isst, die man nicht eigenhändig töten könnte? Moral ist immer eine Frage der kulturellen Sensibilisierung. Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft haben nur deshalb keinen Ekel und keine Scheu davor, Fleisch zu essen, weil ihnen das Tierleid nicht unmittelbar vor Augen steht.
Unsere Spiegelneuronen funken beim Gebrüll eines Kälbchens im Schlachthaus, aber sie bleiben untätig bei einem formverpackten Schnitzel.

Die Frage, inwieweit man sich durch kluge Überlegungen vom Fleisch essen abbringen lassen will, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Wie sollen wir mit Menschenaffen umgehen?

98,4 Prozent DNS des Menschen sind Schimpansen-DNS. Und beide Spezies sind ungefähr so nahe verwandt wie Pferd und Esel. Molekularbiologisch stehen sie enger zusammen als Mäuse und Ratten, Kamele und Lamas.

Ein als besonders wichtig erachteter Maßstab im Vergleich Mensch und Affe ist die Sprache, genauer: die menschliche Sprache. Auch Affen verfügen über das Wernicke-Areal für Wortverständnis im Schläfenlappen und das Broca-Areal für Wortartikulation und Grammatik im Stirnhirn.
Das Geheimnis der menschlichen Sprache ist der Kehlkopf. Er sitzt beim Menschen um einige Zentimeter tiefer als beim Affen. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit beeinflussten sich die Änderungen im Kehlkopfbereich des frühen Homo Sapiens und die Weiterentwicklung der Gehirnzentren für symbolische Kommunikation wechselseitig

Der heutige Stand der Kenntnisse zwischen Mensch und Menschenaffen zwingt uns zum Umdenken: Je mehr uns die Hirnforschung zeigt, umso näher rücken wir zu unseren nächsten Verwandten.

Neuseeland bescheinigte 1999 allen im Land lebenden Menschenaffen ein unantastbares Recht auf Leben. Großbritannien untersagt seit 1997 jeglichen Tierversuch mit den großen Menschenaffen.

 

Warum sollen wir die Natur schützen?

Traditionen lassen sich nicht mit dem Hinweis auf Bestandsdezimierung abschaffen. Der Beweggrund für den Erhalt der Wale ist ihre Seltenheit. Es ist nicht ihr Lebensrecht! Mit jeder Spezies erlischt das komplizierte Erbgut von einer bis 10 Milliarden Basenpaaren für alle Ewigkeit. Die Verdrängung dieses ökologischen Desasters stellt zukünftige Generationen vor ein kaum lösbares Rätsel.
Der Homo Sapiens, der in den vergangenen Jahrtausenden den Erdball in Besitz genommen hat, ist eine Naturkatastrophe unter vielen vorausgegangenen. Als biologischer Auslesefaktor bestimmt er selbst mit über die Ziele der Evolution: Wer darf leben, wer stirbt aus?
Ein zwingender Grund für die Artenvielfalt ist der ökologische Eigennutz für den Menschen. Die Begriffe Öko und Bio lieferten die Weisheit, dass uns die Bäume in ihrem Sterben nur ein Stück voraus gehen. Wir brauchen den Regenwald für unsere Atmosphäre, und wir brauchen saubere Ozeane für unser Klima und unsere Trinkwasserversorgung.
Kein Philosoph und Ökologe kann stichhaltig begründen, warum es alle die Millionen Tierarten auf der Erde geben muss. Aber er wird, ohne einen erheblichen philosophischen Aufwand, auch nicht begründen können, warum es Menschen geben soll.

 

Hinweis:  Die Zwischenberichte bestehen fast ausnahmslos aus Originalsätzen aus dem Buch: Lesen, unterstreichen,  weiterlesen, zurückblättern, aussuchen, schreiben, bloggen.

Fortsetzung folgt

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From → Buch

4 Kommentare
  1. Da haben wir den Salat, die Philosphen bringen nichts als Unruhe unters Volk! So was auch … YDu * … andererseits, wenn man es so recht überlegt…, aber was mache ich ohne Schnitzel? ..;-)

    • Schlachten geht auch behutsam. Der Fernsehkoch Kling (SWF) erzählt, dass seine Frau, nachdem sie gesehen hat, wie schonend heute ein Kalb geschlachtet werden kann, sie wieder mit dem essen von Fleisch begonnen hat. Nachdem sie jahrelang kein Fleisch mochte.
      C.H.

      • Wenn wir alle nur ein wenig mehr Respekt vor dem Leben und den Nahrungsmitteln hätten… dabei ist es gar nicht so schwer.

        • Als Nahrungsmittel noch wertvoll waren, es also keinen Überfluss gab, war jedes Stück Essbares quasi „heilig“. Das galt auch für die Schlachttiere bis zum Schlachten.
          C.H.

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