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Lesestapel 3 – 7. Zwischenbericht

17. Januar 2012

Darf man Menschen kopieren?

Worin liegt das ethisch Bedenkliche oder Verwerfliche am Klonen?
Es verstößt gegen die Menschenwürde. Klonen mache den Menschen zu einer Sache und degradiere seine Würde. Gentechniker unterscheiden heute zwischen reproduktives Klonen und therapeutisches Klonen.

Reproduktives Klonen meint, einen Organismus zu schaffen, der genetisch weitgehend identisch mit seinem Vorbild ist. Bei verschiedenen Tieren (Schaf, Rind, Ratte, …) ist es gelungen. Einen erfolgreichen Versuch bei Menschen gibt es nicht.
Dass der einzelne Mensch einzigartig ist, gehört zu unseren wichtigsten gefühlten Wahrheiten. Und diese Einzigartigkeit des Individuums ist ein von vielen Menschen tief empfundener Wert.

Der Begriff therapeutisches Klonen bezieht sich auf eine von der Medizin erträumte Zukunftsvision: dass es eines Tages möglich sein werde, mithilfe von Embryonen Gewebe, vielleicht sogar Organe, zu züchten, die kranken Menschen eingepflanzt werden können. Eine noch weiterreichende Idee ist die Vorstellung, diese Stammzellen eines Tages als heilsame Therapie einem Patienten anstelle geschädigter oder zerstörter Körperzellen direkt in ein Organ einzupflanzen.

Stammzellen gibt es nicht nur bei Embryonen. Wir alle besitzen Stammzellen, zum Beispiel im Knochenmark, in der Leber, im Gehirn, in der Bauchspeicheldrüse und in der Haut. Die Wissenschaftler sprechen hier von adulten (erwachsenen) Stammzellen. Der Vorteil der adulten Stammzellen gegenüber embryonaler Stammzellen ist immens. Sollte es gelingen Stammzellen aus meinem Hirn mithilfe chemischer und biologischer  Stimulation zu neuem Hirngewebe zu züchten und anstelle kranken Gewebes zurück zuverpflanzen, ist nicht zu erwarten, dass mein Immunsystem sich dagegen wehrt.

Die Forschung mit adulten Stammzellen ist derzeit sehr viel versprechend. Zu deren Vorteil gehören nicht nur die weit realistischeren Heilungsversprechen, sondern auch, dass sie sozial unproblematisch sind.

Wohin führt die Reproduktionsmedizin?

Je mehr technisch möglich wird, umso größer werden die Begehrlichkeiten ehrgeiziger und unerschrockener Eltern (Geschlecht, Augenfarbe, Körpergröße). Werden Kinder somit zu Produkten, aussortiert nach den Regeln des Qualitätsmanagements und der Warenkontrolle? Konsum-Eugenik lautet das Schlagwort der Kritiker, ein Verfahren zur Auswahl von Designer-Babys.

In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz sowohl die Eizellspende als auch die Leihmutterschaft. Erlaubt ist dagegen die Leihmutterschaft. Auch die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist in Deutschland verboten.
In Deutschland darf der im Reagenzglas erzeugte Embryo vor der Implantation nicht auf Erbkrankheiten untersucht werden, sondern nur nach der Implantation in den Mutterleib, wenn es für Mutter und Kind gefährlicher ist.

Was ist schlimm an der Trennung von lebenswerten und lebensunwerten Leben?
Die vier- oder achtzelligen Embryonen sind keine Personen. Es geschieht keine Auswahl durch den Staat, sondern durch die zukünftigen Eltern. Die menschliche Gesellschaft hat viel getan, den medizinischen Zufall bei der Schwangerschaft zu verringern. Sie hat die Kindersterblichkeit verringert und die Geburtshilfe verbessert. Bringt dieser medizinische Fortschritt nicht mehr Nutzen als Schaden, nicht mehr Glück als Leiden in die Welt?

Was spricht gegen eine Auswahl nach nicht-medizinischen Kriterien?
Wo früher der Zufall gewaltet habe, entscheidet dann die Willkür des elterlichen Geschmacks. Was ist, wenn der Geschmack sich wandelt? Bei der ästhetischen Auswahl und Korrektur gehen Eltern ein unkalkulierbares Risiko für ihr Kind ein. Werden die Kinder die Korrekturen, die ihnen die Eltern angedeihen ließen, gutheißen? Und werden sie umgekehrt akzeptieren, wenn ihre Eltern darauf verzichten und sie möglicherweise dadurch zu Außenseitern stempeln?

Jede neue Möglichkeiten verlangt von der Gesetzgebung etwas schier Unmögliches: den potenziellen Nutzen gegen den möglichen Schaden abzuwägen.

Was darf die Hirnforschung?

Die Hirnforschung ist nicht nur die größte wissenschaftliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts, sie ist auch die größte Herausforderung an unsere Moral. Mit ihren Erfolgen verändert die Neurobiologie unser traditionelles Menschenbild, und sie erzeugt zugleich ganz neue Möglichkeiten und Gefahren.

Mit einer Mischung aus Hirnforschung und Ingenieurskunst verspricht die Neuroprothetik phantastische Möglichkeiten: Fast taube Menschen können durch einen Klangprozessor (Cochlea Implantat) , der Geräusche der Umwelt in elektrische Signale umwandelt, wieder hören. Retina-Implantate geben nahezu Blinden das Sehvermögen wieder zurück. Bei Querschnittsgelähmten will man die elektrischen Signalwege des Körpers künstlich stimulieren. Verblüffend und eindrucksvoll sind schon jetzt Dokumentarfilme, die zeigen, wie Parkinson- und Epilepsiekranke durch Hirnstimulationen schlagartig von ihren Leiden befreit werden können.

Wo ist das Problem?
Man kann all die neuen Manipulationen unseres Nervensystems im Gehirn ebenso für fragwürdige Zwecke einsetzen oder sogar bewusst missbrauchen. Militär, Geheimdienste, Drogenmafia u.a. sind potentielle Täter.

Die moralischen Herausforderungen der Hirnforschung sind, dass die Menschen vor Missbrauch geschützt werden und sie muss die Gesellschaft möglicherweise auf Umbrüche für unser Selbst- und Weltverständnis vorbereiten, die bestimmte medizinische Eingriffe in das Gehirn bedeuten werden. Die sozialen Konsequenzen aus all dem könnten beträchtlich sein.

Hinweis:  Die Zwischenberichte bestehen fast ausnahmslos aus Originalsätzen aus dem Buch: Lesen, unterstreichen,  weiterlesen, zurückblättern, aussuchen, schreiben, bloggen.

Fortsetzung folgt

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