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Lesestapel 3 – 8. Zwischenbericht

19. Januar 2012

Gibt es Gott?

Anselm von Canterbury formulierte um das Jahr 1080 den ersten ontologischen Gottesbeweis: „Die einzige sinnvolle Vorstellung, die wir uns von Gott machen können, ist die eines unendlich großen und vollkommenen Wesens. Etwas, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann, muss also existieren, denn ansonsten ist diese Vorstellung widersinnig. Folglich lässt sich schließen: Es gibt Gott!“
Während des ganzen Mittelalters bis in die frühe Neuzeit hatte Anselms Gottesbeweis großes Gewicht.

Die ausführlichste Auseinandersetzung mit Anselms Gottesbeweis führte Thomas von Aquin: „Daraus, dass ich mir einen vollkommenen Gott denke, folgt doch nur, dass Gott in meiner Vorstellung existiert, nicht aber, dass es ihn tatsächlich gibt.“ Weiterhin folgerte er, dass Anselms Gottesbeweis schon am Anfang scheitere, denn die größte aller Vorstellung gibt es nicht. Auf die größte bekannte Zahl folgt immer noch die Möglichkeit des +1.
Anders als Anselm meinte er, dass Gottes Sein etwas so Großes ist, dass es mit der menschlichen Vorstellungskraft gar nicht erfasst werden kann. Thomas erklärt Gott aus Logik von Ursache und Wirkung (kausaler Gottesbeweis).
Das es die Welt gibt, muss sie irgendwann einmal entstanden sein. Am Anfang von allem steht demnach ein unbewegter Beweger.
Für Thomas von Aquin bestand das Ziel darin, zwischen Vernunft und Glaube so überzeugend wie möglich zu vermitteln.

Kant argumentierte: „Alle Vorstellungen, die ich mir von der Welt mache, sind Vorstellungen in meinem Kopf. Von dem aber, was außerhalb meiner sinnlichen Erfahrungswelt liegt, weiß ich gar nichts.“ Und hier, so Kant, liegt die Crux bei jedem Gottesbeweis.

„Wer mit Gottesbeweisen etwas über Gottes Wirklichkeit auszusagen meint, disputiert über ein Phantom“, meint der protestantische Theologe Rudolf Bultmann. Es liegt geradezu in der Natur der Sache, dass Gott nicht erkannt werden kann, sondern nur – wie auch immer – erfahren wird, oder eben nicht.

Hinweis:  Die Zwischenberichte bestehen fast ausnahmslos aus Originalsätzen aus dem Buch: Lesen, unterstreichen,  weiterlesen, zurückblättern, aussuchen, schreiben, bloggen.

Fortsetzung folgt

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