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Physik in der Küche, Chemie auf dem Feld

3. Februar 2012

Im Frühsommer ist Erdbeerzeit. Im Garten und in den Erdbeerfeldern. Anstatt Mais, Roggen oder Weizen zu säen oder Kartoffeln anbauen, werden Erdbeersetzlinge gepflanzt. Wenn das Wetter mitspielt, sind nach relativ kurzer Zeit die Erdbeeren reif zur Ernte.
Die Seite des Feldes, die zur Straße liegt, naturgemäß müssen die Felder von der Landstraße gut erreichbar sein, steht ein kleiner Bauwagen. Mit „Pflücken und Bezahlen“ oder „Hinz und Kunz“ kann die gut sichtbare Außenseite beschriftet sein. Ein oder zwei Leute vom Bauernhof führen den kleinen Feldladen. Meistens ist an den Nachmittagen geöffnet. Auch schon mal spät Vormittags.

Schon von weitem sieht man das Treiben auf dem Feld. Nicht so voll, wie in den Salat- und Gemüsefeldern in manchen Regionen. Entweder gezielt angesteuert oder per Zufall vorbeigekommen, wird das Auto am Straßenrand geparkt oder das Fahrrad irgendwie an den Bauwagen angelehnt.

„Na, mein Guter“, sagte eine der beiden Bäuerinnen. Zwei Schwestern, so um die Zwanzig, machten sich in und am Bauwagen zu schaffen. Die jüngere der beiden wog den Korb einer Kundin. Schöne, rote, wohl geformte Erdbeeren waren im Korb zu sehen. Die Ältere sprach weiter zu mir: „Du musst die Erdbeeren aber selbst pflücken. Weißt Du, wie das geht“? „Ich hab’s schon gemacht“, brachte ich leicht räuspernd heraus. „Du musst mir nur zeigen, wo die Schönsten wachsen“.
„Mache ich doch gerne“, sagte Sie, legte mir den Arm um meine Schulter und zeigte mit dem anderen Arm irgendwo hin. „Dort, wo du jetzt hinsiehst, wachsen die Schönsten. Du darfst auch gerne eine oder zwei probieren.“

Nachdem ich in mühsamer Plackerei meinen mitgebrachten Eimer voll gepflückt hatte, schlenderte ich zurück zum Bauwagen.  Die Jüngere der beiden führte die Kasse. Ich stellte den Eimer auf die Theke und sagte lächelnd zu Ihr: „So, geschafft. Der Eimer ist voll. Wenn ich morgen Kreuzschmerzen bekomme, benötige ich einen Massagetermin“. „Machst Du so rasch schlapp?“, antwortete Sie. Auf beiden Backen zeigte sich ein schwacher roter Schimmer. „Nö, im Schatten ist es angenehmer“, antwortete ich und fragte: „Wie heißt Du?“. „Doris“ kam sofort als Antwort. So, als hätte Sie schon auf die Frage gewartet. Wir plauderten noch eine Weile über alles Mögliche.

Am nächsten Tag war ich wieder dort.

Physik in der Küche:
Wenn Erdbeeren eingefroren und später aufgetaut werden, verhalten sie sich ganz komisch. Sie werden zu Matsch. Roter Erdbeermatsch. Überhaupt nicht schön anzusehen. Kein Vergleich mit der Pracht bei der Ernte. Woher kommt das? Erdbeeren bestehen zum Teil aus Wasser. Und Wasser hat die Eigenschaft, dass es bei +4°C am Dichtesten ist. Das Volumen ist damit am geringsten. Friert das Wasser in der Tiefkühltruhe ein, so wandert die Temperatur von +4°C nach ca. -18°C, oder so wie die Truhe eingestellt ist. Das Wasser wird zu Eis und dehnt sich dabei aus. Das Volumen wird wieder größer. Das Wasser in den winzigen Zellen dehnt sich aus, sprengt die Zellwände, und beim späteren Auftauen läuft der Saft heraus.
Aus und vorbei mit den schönen Erdbeeren

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From → Allgemein, Leben

4 Kommentare
  1. Jetzt mal ganz ehrlich, was war mit Doris? Physik ist ja recht und schön, Beiwerk eben, aber was richtig ineressiert, sind die kleinen Techtelmechtel! Raus mit der Sprache! Ihr Arm auf deiner Schulter, sag mal, was bist du für EINER und dann zeigt sie die die SCHÖNSTEN … Ganz ehrlich, was erzählst du da so unterschwellig zwischen den Zeilen ? … YDu * so was auch, Erdbeeren … Kältewelle …. Blick auf die Schönsten … 😉

    • Die mit dem Arm war Ihre ältere Schwester. Doris ist so alt wie ich und war für eine lange Zeit die Meine. Es war eine schöne Zeit.
      C.H.

  2. Ha, … sag ich’s doch, das sind die schönsten Geschichten! YDu 😉

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