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Lesestapel 6 – Börsenzockerin

13. Februar 2012

HEIKE FALLER – WIE ICH EINMAL VERSUCHTE, REICH ZU WERDEN

Mein Jahr unter Spekulanten

Deutsche Verlagsanstalt (Dva)  2009
auch erhältlich als ebook, 4 Audio-CD oder mp3-Download.

Heike Faller, Redakteurin der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ recherchierte einem Artikel über zwei Sparkassenangestellten im Bayerischen Wald, die dadurch aufgefallen waren, dass Sie im Jahre 2002 das erfolgreichste Musterdepot in Deutschland führten. Sie hatten in sieben Monaten 43% Plus gemacht, zu einer Zeit, in der normalen Bankberatern und Fondsmangern das Geld ihrer Anleger unter den Händen weg geschmolzen war. Erst ab diesem Zeitpunkt hat Sie sich ernsthaft mit Geldvermehren auseinandergesetzt. Nach dem ihr Artikel erschienen war, machte Sie sich einen privaten Termin mit den beiden Sparkassenangestellten und investierte Ihr gesamtes Vermögen in vierzig Krügerrands, vierzig Kilobarren Silber, siebenhundert Gramm Palladium und acht schwere Platten aus Platin, Edelmetall im Wert von 39 411,84 Euro. Die angelegten Ersparnisse in Ihrem Schatzkästlein haben sich in Ihrem Wert nach vier Jahren nahezu verdoppelt. Professionelle Anlageverwalter erreichen selten mehr als 10% pro Jahr. Was immer die beiden Bayern Ihr erzählten, tauchte ein, zwei Jahre später in den Zeitungen auf.

Nach Umstrukturierungen im Verlag Ihres Arbeitgebers ließ Sie sich für ein Jahr befreien mit dem Ziel, 10 000 Euro zu verdoppeln. Über diesen Selbstversuch schreibt Sie in diesem Buch. Und das mitten in der aufziehenden Finanz- und Immobilienkrise.

Man merkt dem Buch an, dass die Autorin eine Journalistin ist. So fährt Sie zum Beispiel mit einem Fondsmanger und dessen Kunden in den Irak, um sich investitionssichere Objekte an zugucken. Obwohl Sie mit Ihren 10 000 Euro zu wenig flüssig ist. Mindestens 100 000 Euro braucht man, um in einem dieser gemanagten Fond zu investieren. Nur ein Journalist oder Journalistin wird bei so einer Reise mitgenommen. Für einen in Dubai lebenden Irak soll Sie sogar ein deutsches Fräulein suchen. Von den in den Touristenhochburgen herumlungernden Fräuleins, die auf „reicher Arabersuche“ sind, wollen die Gutbetuchten nichts wissen.

Sie versucht sich auch in der Kunstbranche (Galerien) und sammelt Informationen über Künstler, aus denen etwas werden könnte.

Einen preisgekrönten französischen Mathematiker bringt Sie dazu, sich mit Ihr in Baden-Baden zu treffen, um über die Gesetze der Wahrscheinlichkeit zu sprechen. Sie selbst hatte sich bei einer Reportagereise nach Las Vegas ein System im Spielcasino ausprobiert und sich damit jeden Morgen das Frühstück finanziert. Das Spiel geht so:

Man setze 5 € auf Rot oder Grün. Gewinnt ich, erhalte ich das Doppelte. Verliere ich, dann setze ich 10 € auf meine vorher gewählte Farbe.
Gewinne ich, erhalte ich 20 €. Dann sind 20 € minus 10 € minus 5 € exakt 5 € Gewinn. Verliere ich, dann setze ich 40 € auf meine vorher gewählte Farbe.
Gewinne ich, erhalte ich 80 €. Dann sind 80 € minus 40 € minus 20 € minus 10 € minus 5 € exakt 5 € Gewinn. Verliere ich, dann setze ich 80 € auf meine vorher gewählte Farbe.
Gewinne ich, erhalte ich 160 €. Dann sind 160 € minus 80 € minus 40 € minus 20 € minus 10 € minus 5 € exakt 5 € Gewinn.
Irgendwann, so die Theorie, gewinnt meine Farbe. Mein Gewinn entspricht dann dem zuerst eingesetzten Betrag, in diesem Beispiel 5 Euro.

Mit George Soros trifft Sie sich sogar zu einem 45-minütigem Interview.

Einige schlaue Sprüche aus dem Buch:

Die beiden Bayern: „Wir rechnen mittlerweile alles in Unzen, wegen der Inflation. Und in Unzen gerechnet, werden die Immobilienpreise sinken. Und dann schlagen wir zu: Wenn keiner mehr Wohnungen haben will, wenn Wohnungen als wertloser Ramsch gelten, dann gehen wir in den Markt.“

Kunst kaufen: „Bilder werden teuer, wenn genügend Menschen glauben, dass spätere Generationen glauben werden, dass sie etwas Signifikantes über ihre Zeit ausdrücken“.

Mit Kredit spekulieren: Leveraging: Durch die Aufnahme eines Kredits die Rendite des Eigenkapitals zu erhöhen, indem ich 100 € investiere und damit zum Beispiel 11 Euro Gewinn (11% Rendite) mache – zusätzlich nehme ich 200 € Kredit zu 10% Zinsen auf, ergibt 300 € eingesetztes Geld, das sind bei 11% Rendite 33 €, minus 20€  für den Kredit, ergibt einen Gewinn von 13 € gegenüber 11 € mit eingesetztem vorhandenem Geld. Umgekehrt führt es zum Bankrott.
„Ohne Leverage sind 100% Gewinn in einem Jahr aber überhaupt nicht zu schaffen“, so einer der Interviewten.

Das Buch ist keine Anleitung für den Privat-Anleger. So wenig wie die anderen Bücher aus der Finanzbranche. Sehr oberflächlich betrachtet, geben diese Bücher nur einen weit gesteckten Rahmen vor. Wenn man zum Beispiel Kostolany folgt, so müsste ein Zwanzigjähriger 200 000 € in Aktien anlegen und nach vier bis fünf Jahrzehnten die Aktien zu Geld machen oder vererben.

Wer sich ernsthaft mit Börsenkursen Auseinandersetzen setzen will, sollte jeden Tag eine überregionale Tageszeitung, eventuell eine täglich erscheinende Wirtschafts- und Finanzzeitung lesen oder gleich abonnieren. Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür für die Lage, man lernt finanztechnisches Rechnen und ist gewappnet für das Treiben an der Börse ohne eine Garantie für einen Gewinn zu haben. Mit der Zeit wird die Leserin/der Leser schlauer und gewinnen wird sie/er auf Dauer ebenfalls. So meine eigenen Erfahrungen.

Insgesamt vergebe ich 2 anlis-Punkte.

Nicht wirklich überzeugend

Das nächste Buch aus dem Lesestapel ist: Peter Scholl-Latour – Arabiens Stunde der Wahrheit, Aufruhr an der Schwelle Europas.

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From → Buch

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