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Lesestapel 7 – Quer durch Arabien

5. März 2012

Peter Scholl-Latour – Arabiens Stunde der Wahrheit

Aufruhr an der Schwelle Europas

Propyläen – ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2011

Mein Gegenüber setzte ein breites Lächeln auf. „Jetzt will ich Ihnen wirklich ein Geheimnis verraten“, begann er. „Die Anreicherungsanlage für Kernenergie, die in den westlichen Medien mit exakten Fotos in einer Deutlichkeit und Auffälligkeit abgebildet wurde, die bei einem Geheimprojekt höchst ungewöhnlich wäre, war in Wirklichkeit ein Attrappe. Mit unseren iranischen Freunden war vereinbart worden, dass wir einen solchen Köder in die Wüste stellen in der Erwartung, dass der israelische Vergeltungsschlag nicht auf sich warten lassen würde. Die feindlichen Elitesoldaten haben leere Mauern gesprengt. Wir und die Iraner haben bei dieser Gelegenheit jedoch feststellen können, wie die israelischen Streitkräfte vorgehen würden, falls sie eines Tages versuchen sollten, die vermuteten Herstellungsfabriken für Atombomben in der Iranischen Republik auszuschalten.“

Da sind wir wieder angekommen in der Atmosphäre der Täuschung, des Verrats, der gezielten Irreführung, denen auch ich ausgesetzt bin. Das Wort „Mu`amara – Verschwörung“ gehört unverzichtbar zum Vokabular und der Vorstellungswelt der orientalischen Staaten.

Scholl-Latour beschreibt die Veränderungen in der arabischen Welt seit seinen ersten Besuchen in den frühen 1950er Jahren bis heute. Von der Atlantikküste bis zum Persischen Golf hat er alle Staaten bereist, hat alle wichtigen Staatsführer, Stammesführer, Religionsführer hautnah erlebt und studiert.

Er kennt Arabien wie seine Westentasche. Er bildet sich seine Meinung nur aus eigener Anschauung, aus eigenen Gesprächen.. Er läßt sich von den veröffentlichten Meinungen seiner Journalistenkollegen und Regierungen in keiner Weise beeindrucken. Er spricht selbst Hocharabisch. Ihm ist keine Strapaze zu viel, um die teilweise beschwerlichen Reisen in die hintersten Winkel zwischen Syrien und dem Sudan und zwischen Senegal und dem Oman zu erkunden. Weil er viele wichtige Leute kennt, kommen die auch in seinen Berichten vor. Manche Namen liefert Wikipedia, die Kartografie dazu liefert Google Earth. Seine Bücher sind nicht weich gespült und deswegen nicht einfach zu lesen. Er liefert 100% Information.

Er schreibt über die willkürlich, weil von den Kolonialmächten gezogenen Grenzen, mitten durch die Stammesgebiete verlaufend und über die Winkelzüge der Weltmächte, die offenbar die arabische Kultur nicht begreifen und dadurch eher die Konflikte verschärfen als befrieden. Und er schreibt von der unversöhnlichen Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten einerseits und über die Verbindungen und gegenseitige Hilfe zwischen Schiiten und Christen im Libanon gegen die Sunniten andererseits.

Wer sich für Nahen Osten interessiert, für die Region, die uns das lebensnotwendige Öl liefert, sollte dieses Buch eines profunden Kenner der Länder und der Kulturen unbedingt lesen. Nicht alle Weisheiten, die uns die oberflächlichen Nachrichten in unseren Medien liefern, sind geeignet, sich ein reales Bild zu machen.

Ich vergebe 5 Anlis-Punkte.             

Das nächste Buch im Lesestapel ist der Roman: „Jesus liebt mich“ von David Safier.

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From → Buch

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