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Lesestapel 10 – Herzogin liebt Mönch

5. Mai 2012

JOSEPH VICTOR VON SCHEFFEL: EKKEHARD

MIT ZEICHNUNGEN VON JOHANNES GRÜTZKE

Eine Geschichte aus dem 10. Jahrhundert

Originalausgabe 1855
Nachdruck aus dem Verlag LIBELLE, 2000, Lengwil (CH) am Bodensee

Joseph Victor von Scheffel lebte von 1826 bis 1886.

„Es war vor beinah tausend Jahren. Die Welt wusste weder von Schießpulver noch von Buchdruckerkunst …“, so beginnt der Roman.

Die Geschichte, die Scheffel erzählt, spielt zwischen Alpen und Schwarzwald in einer Zeit, in der germanischer Eigensinn und heidnische Frömmigkeit sich noch nicht ganz der Machtpolitik christlicher Männer ergeben haben: Die bildungshungrige Herzogin Hadwig holt sich den attraktiven und hochgebildeten Mönch Ekkehard aus dem Sankt Galler Kloster auf ihre Burg Hohentwiel. er soll der welterfahrenen und launischen Edelfrau Latein beibringen. Die gemeinsame Lektüre läßt bald andere Leidenschaften aufkeimen. Die entflammte Herzogin hat es mit einem verhemmten Buchmenschen zu tun.

Scheffel war kaum 30 Jahre alt, als der Roman erschien. Theodor Fontane konstatierte schon kurz nach dem Erscheinen: „Ekkehard zählt zu den besten Büchern, die ich gelesen habe“, und für Generationen wurde Joseph Victor von Scheffels Schmöker über ein naturnahes, heftiges und erzählfreudiges Mittelalter am Bodensee zum Bestseller unter den historischen Romanen. In Scheffels Lebenszeit sind nicht weniger als 500.000 Exemplare seines Romans verkauft worden.

An den Erzählstil muss man sich gewöhnen:

Ekkehard hatte sich auf eine Anrede besonnen und gedachte mit Anwendung tadellosen Lateins die sonderbare Freiheit zu rechtfertigen, aber wie sie stolz und gebietend vor ihm stand, versagte ihm die Stimme, und die Rede blieb, wo sie entstanden – in seinen Gedanken.

oder

Benedicta freute sich, wie er zuerst mit der Harfe kam. „Ich versteh‘ Euch Bergbruder“, sagte sie, „weil Ihr keine Liebste haben dürfet, habt Ihr Euch die Harfe angetan und sprechet zu der, was Euch das Herz schwellt.“

Beim Kauf, im Besucherzentrum der Burg Hohentwiel, dachte ich an eine Erzählung oder eine Beschreibung des damaligen Burglebens. Mit allen Facetten. Weit gefehlt. Der Roman ist eine handfeste Liebesgeschichte zwischen einem Mönch, der wohl nie daran dachte, dass sein Leben eine solche Wendung nähme, und einer Herzogin, der Burgherrin.
Sie will ihn, er Sie auch, traut sich nicht gleich, sie wendet sich enttäuscht ab, zeigt ihm nicht mehr Ihre Gefühle, er ist am Boden zerstört, rappelt sich wieder auf , … , zwischendurch führen sie Krieg gegen die einfallenden Hunnen, dann gegen die besitzergreifenden Klöster der Umgebung.

Das Buch ist des Lesens wert. Zumal es ein Erfolgsroman aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist. Die freizügige Rede und Gedanken der heutigen aufgeklärten Gesellschaft darf man nicht erwarten. Ich habe es auch nicht vermisst.
Trotz der teils gestelzten Sprache empfehle ich den Roman uneingeschränkt und vergebe

5 Anlispunkte

                                     

 

Das nächste Buch im Lesestapel ist:

George Harrison – Living in the Material World
Die illustrierte Biografie
herausgegeben von Olivia Harrison

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From → Buch

6 Kommentare
  1. Ach ich lesse auch gerne Alte Romane nur heute dürfen die Bücher nicht mehr zu Dick sein,sonst komme ich zu nichts mehr.hab noch einen schönen Sonntag und guten Wochenstart Gruss Gislinde.

    • Papier ist geduldig. Ich habe auch drei Wochen gebraucht. Es war einfach zu viel los. Für fünf Minuten schlage ich keinen Roman auf.
      Wünsche die einen schönen Sonntagabend und einen guten Wochenstart.
      C.H.

  2. Vielen Dank für den Buchtipp!

    Ich weiß auch schon, wem ich das Buch zum Geburtstag schenke. 😉

  3. Bin schon gespannt auf Harrison … YDu 😉

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