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Lesestapel 13 – Feuilleton

6. März 2013

1913

Der Sommer des Jahrhunderts

von Florian Illies

S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2012

1913

Es ist das Buch eines Feuilletonisten. Illies hat Kunstgeschichte studiert, arbeitete als Feuilletonredakteur bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), war Feuilletonchef der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) und Ressortleiter Feuilleton und Literatur der „Zeit“. Um das, was auf den Feuilletonseiten der Zeitungen steht, um das geht es in diesem Buch. Die Hauptdarsteller sind

Thomas Mann
Franz Kafka
Sigmund Freud
Else Lasker-Schüler
Gottfried Benn
Franz Marc
Ernst Ludwig Kirchner
Oswald Spengler
Marcel Duchamp
Alma Mahler
Oskar Kokoschka
Gustav Klimt
Egon Schiele
Heinrich Mann
Rainer Maria Rilke
Pablo Picasso
Albert Schweitzer
Ernst Jünger
Marcel Proust
Asta Nielsen
Käthe Kollwitz
Henri Matisse
Max Liebermann
Karl Kraus
Bertolt Brecht
Hugo von Hofmannsthal
Robert Musil
Kurt Tucholsky
Emil Nolde.

Florian Illies hat aus den Biografien, Tagebüchern und kulturgeschichtlichen Quellenwerken zitiert. Monat für Monat zieht er sich die Begebenheiten aus den Vorlagen heraus. Es sind immer nur kurze Textpassagen, zwischen einer einzigen Zeile und zwei, drei Seiten, auf denen er die Kunstschaffenden mit ihren Alltagssorgen porträtiert.
1913 gab es keine anderen Stars. Das Fernsehen war noch nicht erfunden, Profisportler gab noch keine, Hitparaden auch nicht. Heutzutage bedient man sich der Regenbogenpresse, um etwas über die Alltagssorgen der „Rotenteppichleute“ zu erfahren.

1913. Der Titel klingt ambitioniert. Ein ganzes Jahr, das Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beleuchtet dieses Buch. Hin und wieder bindet Illies allgemeine Themen aus dem Jahr 1913 ein. Die scheinen aber eher als Alibi für den Titel herhalten zu müssen.
Der Titel „1913“ suggeriert auf den ersten Blick, es gehe um das Leben in Deutschland und Europa auf dem Weg in einen Krieg. Nichts dergleichen. Es geht nur um Kunst, besser um die Alltagsprobleme der Künstler und ihres Anhangs. Um sonst nichts.

Der Verlag hat einen großen Titel verschenkt. Der Titel „1913“ passt nicht zu dem Dargestellten. Die Geschichten könnten auch 1907 oder 1926 spielen. Die Jahreszahlen sind austauschbar. 1913 ist auch nicht der Sommer des Jahrhunderts, wie es der Untertitel suggeriert.

Im Nachhinein kann ich das Brimborium um das Erscheinen des Buches nicht nachvollziehen. Obgleich es für die eifrigen Feuilletonleser ein Muss ist. Aber nur für die.

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From → Buch

9 Kommentare
  1. Jarg permalink

    Dann bin ich wohl ein „eifriger Feuilletonleser“ 😉 …mir hat es gefallen.

    • Mir hat es nicht so sehr gefallen, weil mich die persönlichen Verhältnisse eines Romanschreibers nicht interessieren. Mich hat zuerst der Titel gelockt. Innerlich bin seit einem oder zwei Jahren auf den 100-jährigen Beginn des Ersten Weltkrieg gespannt. Sicher war das ein Teil de Neugierde.
      C.H.

      • Jarg permalink

        Mich hat gerade diese Collage aus den unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen samt der zum Teil überraschenden Verbindungen und gegenseitigen Beeinflußungen und Abhängigkeien interessiert.

  2. Guter Bericht.Wünsche einen schönen Mittwoch Gruß Gislinde

  3. Hört sich eigentlich sehr interessant und lesenswert an. Vllt meine nächste Urlaubslektüre- schaun wir mal, oder Geburtstagswunsch oder so …mmmh ..oder ausleihen 😀
    Liebe Grüße und danke für den Tipp
    Isis

  4. Interessant. Damit fällt das Buch zwar nicht aus meiner amazon-Vormerkliste heraus, rutscht aber vielleicht ein paar Plätze nach hinten…

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