Skip to content

Ach, hätten Sie doch Adele genommen

6. November 2015

Sam Smith – Writing’s On The Wall (from Spectre)

.

.

Die Anatomie eines Bond-Songs „Writing’s on the Wall“ von Sam Smith

Kulturthema am 26.10.2015 von Bernd Lechler

Am 26. Oktober 2015 ist die große Premiere: In der Londoner Royal Albert Hall darf ein erlesenes Publikum „Spectre“ sehen, den neuen James-Bond-Film, bevor er am 5. November auch für uns ins Kino kommt. Wir wissen, dass Daniel Craig wieder 007 spielt und Cristoph Waltz seinen diabolischen Gegner – und seit ein paar Wochen singt die derzeit erfolgversprechendste musikalische Geheimwaffe ihrer Majestät, nämlich Popstar Sam Smith, den Titelsong „Writing’s On The Wall“. Nach dem letzten, sehr klassischen 007-Hit „Skyfall“ von Adele stieß der neue, nicht so klassische, auf gemischte Reaktionen – obwohl er als erster überhaupt Platz eins der britischen Charts erreichte. Aber was macht überhaupt einen klassischen Bond-Song aus? Warum erkennt man ihn sofort als solchen?

Agententhriller-Drama: geht nur mit ganz großem Orchester

Sam Smith, „Writing’s On The Wall“ mit großem Orchester. Typisch 007, hieß es überall – auch wenn das große Orchester Sam Smiths Klavierballade etwas überwältigt, wie ein sehr muskulöser Bösewicht ein sehr zartes Bond-Girl. Aber die hohen Geigen und mehr noch die tiefen Posaunen schaffen das Agententhriller-Drama, und vor unserem geistigen Auge steigt ein Mann im Smoking, raffinierte Pläne schmiedend, in ein schnelles Auto. Schon Paul McCartney fing täuschend soft an – wie ein guter Bond:
In „Live And Let Die“ kommt der Ganove und dann die Verfolgungsjagd. Mit drohend röhrenden Posaunen eben, wie schon zehn Jahre davor in „Goldfinger“.

Da ahnt man auch, wie McCartney auf diese Fanfare kam: „Live And Let Die“ verweist auf „Goldfinger“!

„Gute Idee“, dachte sich viel später Gladys Knight bei „License To Kill“. Ein Bond-Song klingt nach Bond, weil er zitiert: Andere Bond-Songs, oder gleich die Quelle, das „James Bond Theme“, das vor über einem halben Jahrhundert in „James Bond jagt Dr. No“ zum ersten Mal erklang.

Die Hälfte der Weltbevölkerung kennt James Bond

Der Londoner Komponist Monty Norman hatte es für ein Musical erdacht und dann für die Agentenreihe angeboten. Ohne Erfolg, bis der legendäre John Barry es so irrsinnig prägnant arrangierte. Es gibt Schätzungen, wonach die Hälfte der Weltbevölkerung schon mal einen James-Bond-Film gesehen hat, und praktisch alle davon würden die Themenmusik erkennen, nicht zuletzt wegen dem an- und abschwellenden Motiv, wie zuletzt Adele es bei ihrem vielgelobten „Skyfall“ aufgriffen hat.

Man nehme: Stechende Bläser und drahtige Gitarre

Aber noch mehr von Barrys Ideen lagern heute in unserem kollektiven Gedächtnis. Diese stechenden Bläser. In den 80ern übertrugen Duran Duran sie zwecks Agenten-Atmo auf ihre Synthesizer, bei „A View To A Kill“, oder die Bond-Gitarre.

Genauso typisch, der drahtige Klang, den in den 90ern unter anderem Garbage nutzten in „The World is Not Enough“.
Natürlich gab es immer wieder Bond-Songs ganz ohne Anleihen, auch erfolgreiche: Soften Siebziger-Pop von Carly Simon, schönen Achtziger-Kitsch von Sheena Easton, einen frechen Electro-Ausreißer von Madonna.

Sam Smith und der versteckte Bond-Akkord

Und im Grunde gehört nun auch Sam Smith in diese Riege. Schade nur, dass er in seiner melancholischen Ernsthaftigkeit ganz ohne Krimi-Spannung oder Martini-Cocktail-Sexyness etwas zu brav Adele nacheifert. Kann sein, dass er oder seine Produzenten auch dachten: Da fehlt noch was. Und so versteckten sie noch ein Bond-Signal im Intro: Den Neuner.

So klingt dieser Spezialakkord bei Adele. Wenn man nämlich einen (in diesem Fall: Moll-) Dreiklang nicht schön rund mit einer Oktave abschließt, sondern einen Ganzton darüber die None nimmt, dann klingt es gleich spannender. Wie eben der Schluss des guten alten „James Bond Theme“. Derselbe Kniff markiert auch andere Titelsongs: „From Russia With Love“ und Soundtrack-Momente aus „Bond smells a rat“ – es ist der Bond-Akkord. Und den zerlegt nun das Klavier zu Beginn von „Writing’s On The Wall“.

Ja. Damit wir alle, hoffentlich schon vor den Posaunen, unbewusst ahnen: (Daniel Craig) „The name is Bond. James Bond.“

.

Ich war schon einmal hier
Aber bin immer auf den Boden gefallen
Ich bin mein Leben lang nur gerannt
Und ich bin immer davongekommen
Aber mit Dir fühle ich etwas
Deswegen will ich bleiben

Ich bin darauf vorbereitet
Ich schieße nie um zu verfehlen
Aber ich fühle, dass ein Sturm aufzieht
Wenn ich diesen Tag überlebe
Gibt es keinen Grund mehr davon zu laufen
Dem muss ich mich stellen

Wenn ich alles riskiere
Kannst Du mich auffangen?

Wie lebe ich? Wie atme ich?
Wenn Du nicht da bist ersticke ich
Ich will fühlen, dass Liebe durch meine Adern fließt
Sag’ mir gebe ich hier alles auf
Für Dich muss ich alles riskieren
Denn es steht an der Wand geschrieben

Eine Million Glasscherben
Die mich aus meine Vergangenheit jagen
Als die Sterne anfangen sich zu versammeln
Und das Licht anfängt zu verblassen
Wenn alle Hoffnung anfängt zu zerbrechen
Wisse, dass ich keine Angst haben werden

Wenn ich alles riskiere
Kannst Du mich auffangen?

Wie lebe ich? Wie atme ich?
Wenn Du nicht da bist ersticke ich
Ich will fühlen, dass Liebe durch meine Adern fließt
Sag’ mir gebe ich hier alles auf
Für Dich muss ich alles riskieren
Denn es steht an der Wand geschrieben

Es steht an der Wand geschrieben

Wie lebe ich? Wie atme ich?
Wenn Du nicht da bist ersticke ich
Ich will fühlen, dass Liebe durch meine Adern fließt
Sag’ mir gebe ich hier alles auf
Wie lebe ich? Wie atme ich?
Wenn Du nicht da bist ersticke ich
Ich will fühlen, dass Liebe durch meine Adern fließt
Sag’ mir gebe ich hier alles auf
Für Dich muss ich alles riskieren
Denn es steht an der Wand geschrieben

Advertisements

From → Stehblues

2 Kommentare
  1. Also mir gefällt der Titelsong außerordentlich gut!
    Vielleicht genau deshalb, weil er nicht sofort als Bond Song zu orten ist!

    Lg. Sina

    • Das Lied war ja auch in GB sofort die Nummer 1.
      Jede(r) hat so seine Favoriten. Und ich habe beim ersten hören auch sofort an Adele gedacht.
      Liebe Grüße, Charles

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: