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Triplemoral

29. März 2016

Der deutsche Fußball ist zuletzt wieder einmal zur Hochform aufgelaufen. Diesmal ging es aber nicht um weltmeisterliche Doppelpässe, sondern um eine andere Spezialität des Fußballgeschäfts Made in Germany: die Doppelmoral. In diesem Fall: um den Rauswurf von Max Kruse aus der Vorzeigemannschaft eines, nun ja, nicht mehr so ganz ehrenwerten Fußballverbandes.

Wenn man sich die Fehler von Kruse anschaut, die einem 28 Jahre alten Spieler zum Verhängnis geworden sind, und daneben all die Schlechtigkeiten, die über viele Jahre im Deutschen Fußball-Bund (DFB) möglich waren – erst geduldet, dann eifrig vertuscht und mitunter noch immer nonchalant akzeptiert -, dann reicht der Begriff Doppelmoral dafür kaum aus. Und wenn man sich dann noch vor Augen hält, was sich andere Nationalspieler in der Ära von Bundestrainer Löw ungestraft leisten durften, dann hat der Fußball, so groß, wie er in Deutschland nun einmal ist, für seine grotesk verrutschten Maßstäbe einen ganz eigenen Begriff verdient: die Triplemoral.

Was also ist eigentlich unprofessionell daran, wenn man einer Reporterin nachts um zwei auf der eigenen Geburtstagsfeier das Handy aus der Hand nimmt und die ungefragt geknipsten Fotos löscht, wie es Kruse zuletzt getan hat? Aus Sicht eines Fußballprofis ist das, wenn man ehrlich ist, sogar ziemlich professionell. Und wer will sich so etwas auf seiner Party schon bieten lassen?

Ebenfalls war über Boulevardkanäle öffentlich geworden, dass Kruse nach einer Pokernacht im Oktober frühmorgens 75.000 Euro im Taxi vergessen hatte. Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Geld liegen lassen ist kein Delikt. Und wenn wir die letzten Monate richtig verfolgt haben, wurde im Fußball deswegen niemand in Handschellen gelegt oder von der Ethikkommission gesperrt. Da lief es genau umgekehrt. Und in diesem Fall war es auch Kruse, der Anzeige gegen unbekannt erstattet hat, weil er sein Geld zurückhaben wollte.

Vergangene Woche wurde zudem öffentlich, dass im Internet ein Nacktvideo über Kruse kursieren soll. Sein Arbeitgeber VfL Wolfsburg hat bestätigt, dass ihm das Video bekannt sei. Woher es stammt, ist unklar. Falls es Kruse nicht selbst ins Netz gestellt hat oder damit einverstanden war, handelt es sich um eine Straftat. In den Vereinigten Staaten bekam Hulk Hogan zuletzt Schadenersatz in Höhe von 115 Millionen Dollar zugesprochen, weil eine Online-Plattform ein Sexvideo des früheren Wrestlers veröffentlicht hatte.

Also, um es noch einmal klarzumachen: Kapitän abwatschen (wie Podolski): okay. Döner werfen und in die Hotel-Lobby pinkeln (wie Großkreutz): kein Problem. Jahrelang ohne Führerschein fahren (wie Reus): passt schon. Mit dem Bleifuß durch Deutschland rasen, bis der Lappen weg ist (wie Löw): auch nicht schlimm. Pokern und feiern zwischen Spiel und Training (wie Kruse): geht gar nicht – raus! Und diese Regel, die wichtigste Regel in einer Fußballgesellschaft, die selbst einen gerade auf Bewährung aus der Haft entlassenen Mann (Hoeneß) schon wieder für präsidiabel für den wichtigsten deutschen Fußballklub hält, sollte sich Max Kruse sich nun wirklich unbedingt merken.


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From → Allgemein, Leben

2 Kommentare
  1. Buon martedì 🙂

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